Welches Kapitel 43?

Uns haben von vielen Bücherfreunden die Fragen „Warum Kapitel 43?“ und „Welches Kapitel 43?“ erreicht. Um beide auf einmal zu beantworten, hier ein paar Worte zur Entstehungsgeschichte unserer Buchhandlung.

Wir haben uns über den Namen unserer Buchhandlung viele Gedanken gemacht. Wahrscheinlich sehr viele, doch wir denken es hat sich gelohnt.
Wir wollten etwas kreativer sein, als andere. „Buchhandlung Enders & Vazquez“ schien uns etwas fad. Eingängig oder leicht zu merken wäre das auch nicht gewesen. „Lese-Insel“, „Bücherwelten“, „Bücherwurm“ oder ähnliche Namen gibt es bereits viel zu viele.
Es sollte auch ein Name sein, der uns Gründerinnen beide bezeichnet.
Und was könnte uns besser beschreiben als unser Lieblingsbuch?
Nun hat jeder nicht nur ein Lieblingsbuch, auch ändern sich Lieblingsbücher mit der Zeit, doch wir beide haben ein gemeinsames: „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling. Ein satirisches Buch über einen Kleinkünstler, bei dem ein kommunistisches Känguru einzieht.
Und unser Lieblingskapitel daraus ist Kapitel 43 – Eine nette Teegesellschaft, in dem Marc-Uwe das erste Mal seinen Psychiater aufsucht, weil er die latente Gewaltbereitschaft des Kängurus nicht mehr ertragen kann.

Natürlich stand für uns außer Frage, Marc-Uwe persönlich zu einer Lesung in unsere Rüsselsheimer Känguru-Hommage-Buchhandlung einzuladen.
Dafür haben wir uns richtig ins Zeug gelegt, ein Känguru gehäkelt und ein eigenes Kapitel über das Känguru geschrieben.


 

Das folgende Kapitel ist von uns selbst und nicht von Marc-Uwe Kling geschrieben:

Kapitel43 – Die Bücher und das Känguru

Poch Poch. Ich klopfe.
Eine Frau kommt auf der anderen Seite zur Glastür der Buchhandlung „Kapitel43“ und sieht sich mir gegenüber. Bevor sie öffnet schaut sie nach links, nach rechts, auf die Öffnungszeiten und ruft ihre Kollegin aus dem Hinterzimmer. Dann schließt sie die Ladentür, vor der ich stehe auf und sagt: „Guten Abend.“Viel Schönes dabei
„Wunderschönen guten Abend.“, sage ich.
„Sieh mal an, das Känguru!“, grüßt auch die zweite Frau, die sich gerade dazustellt. „Wollen Sie Eierkuchen backen und haben vergessen, Eier zu kaufen?“
„Ähm…“, beginne ich meine Antwort. „Nein. Aber nicht schlecht geraten. Ich will nur mal stöbern.“ Es ist 37 Minuten nach Ladenschluss, doch die beiden sagen nichts.
Ich dränge mich an ihnen vorbei in die Buchhandlung. Gleich links in einem Regal stehen mehrere Exemplare der Känguru-Offenbarung neben den ersten beiden Bänden im Regal. Ich nehme eines und halte es den Buchhändlerinnen hin.
„Würden Sie mir das empfehlen?“, frage ich.
„Steht doch drüber.“, antwortet die kleinere der beiden und deutet auf die Regalüberschrift.
„Viel Schönes dabei…“ steht dort. Ich nicke. „Verstehe. Sie denken ja an alles.“
Ich stecke das Buch in meinen Beutel und täusche vor, weiter zu hüpfen, drehe mich stattdessen aber blitzschnell um und halte den beiden ein Bild unter die Nase. „KENNEN SIE DIESES KÄNGURU?!“, schreie ich.
Auf dem Bild ist ein Känguru zu sehen, das dem Fotografen grinsend eine Packung Schnapspralinen präsentiert. Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass das gar kein Känguru ist, sondern eine junge Frau in einem Känguru-Kostüm.
„Na wenn das nicht unser neuer Controller ist!“, rufen beide im Chor.
Ich verenge die Augen zu Schlitzen.
„Nur Spaß. Das ist unsere Aushilfe, die haben wir zum Welttag des Buches als Känguru verkleidet Schnapspralinen an Passanten verteilen lassen, während wir aus Herrn Klings Büchern gelesen haben.“Kängurudouble
„Ist Ihnen eigentlich bewusst, wie sehr sie damit meine Corporate Identity verletzen?“, beginne ich. „Ich habe dazu keine Genehmigung erteilt!“
Geistesgegenwärtig zieht die Buchhändlerin ein Blatt Papier aus der Tasche und faltet es auf. Sie reicht es mir. Ganz zufällig hat sie die Mail ausgedruckt bei sich, in der steht „Marc-Uwe Kling ist einverstanden.“
Känguru_und_LucyIch stecke sie in meinen Beutel.
„Entschuldigen Sie. Wollten Sie mir nicht gerade ein Schriftstück überreichen?“, frage ich unschuldig.
Kommentarlos zieht die andere Buchhändlerin ein zusammengefaltetes Blatt aus der Hosentasche.
„Das ist doch Betrug!“, empöre ich mich.
Da raschelt es hinter mir und eine Stimme spricht in tiefstem Tenor. „Was ist das hier denn schonwieder für ein Rucola? Ich dachte, ich hätte Feierabend!“
Schnell drehe ich mich um und sehe mich einem Meerschweinchen gegenüber, das aus dem Regal mit den Bilderbüchern guckt und gerade lässig einen Halm Stroh von einer Maulseite in die andere wandern lässt.
Ich schaue nach links, rechts, wieder geradeaus. Es ist immer noch da.
„Dürfen wir vorstellen? Das ist Lucy, das ökologisch-frutarische Meerschweinchen, das vor einer Weile bei uns eingezogen ist.“, erläutert die größere der Buchhändlerinnen.
„Es wohnte gegenüber und wollte sich gerade Äpfel machen, als ihm aufgefallen ist, dass es in der Stadt keine Apfelbäume gibt, von denen welche fallen könnten.“, ergänzt die andere noch.
„Und was frisst es jetzt?“, frage ich, doch ein wenig neugierig.
„Es hat gesagt, wenn bei uns mal was abfällt zählt das ja quasi auch.“
„Was fällt, das fällt.“, meldet sich Lucys tiefe Stimme nochmal.
„Ganz meine Rede!“, sage ich. „Ganz meine Rede. Äpfel, Diktaturen, Kapitalismus. Wenn’s einmal fällt, bleibt’s liegen.“ Ich nicke und Lucy scheint darüber nachzudenken.
„Du gefällst mir.“, füge ich noch hinzu. „Das wird der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“Känguruwand

„Lieber Marc-Uwe,

ich mache noch eine Weile Urlaub hier in der Buchhandlung in Rüsselsheim. Die Buchhändlerinnen und das Meerschwein sind große Fans von mir. Endlich ein Ort, an dem mein Genie entsprechend gewürdigt wird. Schnapspralinen bekomme ich auf Kosten des Hauses und das Meerschweinchen ist so schlecht im Mau Mau, dass ich immer gewinne.
Außerdem sind die Rüsselsheimer noch offen für meinen Weltverbesserungsplan!
Es könnte ein ziemlich langer Urlaub werden.

Yuppieverachtende Grüße,

das Känguru.“

KängurusofaSehr geehrter Herr Kling,

das Känguru wohnt jetzt offensichtlich schon 2 Wochen bei uns und wir fragen uns langsam, ob es nicht wieder gehen will. Wir wären sogar sehr, sehr dankbar dafür, wenn Sie Ihr Känguru wieder abholen könnten. Wir wissen, dass es nicht wirklich Ihnen gehört. Es ist da ja sehr eigen.
Wir haben allerdings mittlerweile keine Schnapspralinen mehr und der örtliche Norma hat Probleme, Nachschub zu organisieren. Das Känguru vergrault unsere Kunden mit nicht enden wollenden Diskussionen und treibt uns sicher noch in den Ruin!
Das Meerschweinchen ist mittlerweile wegen Minderwertigkeitskomplexen in Behandlung.
Wir haben sogar schon einen Plan, wie sie das Känguru wieder zurück gewinnen:

Wir möchten gern eine Lesung mit Ihnen in unserer Buchhandlung „Kapitel43“ hier in Rüsselsheim organisieren. Kapitel43 ist nämlich unser beider Lieblingskapitel aus einem unserer gemeinsamen Lieblingsbücher, nämlich den KänguruChroniken. Eine nette Teegesellschaft. Das kennen Sie vermutlich. Sicher sogar. Sie haben‘s ja, naja, geschrieben.*

Bei der Gelegenheit könnten Sie das Känguru wieder mitnehmen. Wir haben ja gelesen, wie sehr sie es nach seiner Abschiebung vermisst haben!

Freundliche Grüße,

Melanie Enders und Sara Vazquez“

 

*Sie könnten jetzt natürlich sagen: „Moment mal! Das ist aber Kapitel 44!“ – es ist selbstredend ein falsch zugeordnetes Kapitel.


Leider ist Marc-Uwe Kling bis Ende 2016 ausgebucht, gibt aus Gründen nurnoch Auftritte in Berlin (abgesehen von seiner laufenden Konzert-Tour) und auch alle kreativen Reißleinen halfen nicht.
Er freut sich, dass es in Rüsselsheim eine Känguru-Buchhandlung gibt und sollte ihn sein Weg einmal in Richtung Rüsselsheim führen, schaut er auf jeden Fall vorbei.


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